Hausgartenkonzepte

Tomatenpflanze

Die Bewirtschaftung eigener Hausgärten ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Autarkie und Ökologie werden in diesen Zeiten immer bedeutsamer. Besonders während der letzten Jahrzehnte wurden vielfältige neue Konzepte und Methoden zur Bewirtschaftung und Pflege unserer natürlichen Umwelt entwickelt. Ökologisch müssen sie sein, um das uns umgebende Ökosystem – die Grundlage unserer Zivilisation, im Gleichgewicht zu halten. Autarkie sollen sie fördern, um die negativen Bedingungen und Folgen der Abhängigkeit von Lebensmitteln aus anderen Teilen der Welt zu reduzieren. Manche dieser neudefinierten und weiterentwickelten Konzepte sind altbewährt und ihre Grundlagen reichen bis in die vorindustrielle Zeit zurück.

 

Ganz grundlegend bedeutet Permakultur, dass permanente, also dauerhafte und mehrjährige Pflanzen in einem ökologischen System kultiviert werden. Seitdem der Begriff definiert wurde, haben sich vielfältige Konzepte und Methoden für unterschiedliche Kontexte und Ziele durchgesetzt. Viele davon lassen sich sehr gut in Gärten unserer gemäßigten Klimazone anwenden. Das grundlegende Ziel ist jedoch in jedem Konzept gleich: mit Hilfe diverser Dauerkulturen ein gesundes, komplexes und gut funktionierendes Ökosystem zu etablieren. Dazu sollen Ressourcen effizient genutzt, Biodiversität gefördert, ökologische Kreisläufe verstanden und genutzt werden. Auf die Prinzipien der Permakultur werden wir an späterer Stelle eingehen.

Ein Permakultur-Garten kann – muss aber nicht, mit einem der folgenden Konzepte verbunden sein.

Ein Waldgarten wird üblicherweise in oder direkt an einem bereits bestehenden Wald angelegt. Jedoch kann dieser auch auf einer herkömmlichen Gartenfläche etabliert werden, solange die Fläche groß genug ist und die Umgebungsbedingungen, wie Nachbarn oder umliegende Bebauung, es zulassen. Von der Neuanlage hin zu einem echten Waldgarten braucht es jedoch viel Zeit. Erst nach einigen Jahren können alle Vorteile eines solchen Konzeptes genutzt werden. Grundlegende Kenntnisse über Mischkultur-, Etagenanbau und Baumpflege sollten vorhanden sein.

Vorteile sind unter anderem ein tief durchwurzelter Boden mit einer hohen Wasseraufnahmekapazität, eine weiträumige Beschattung der umgebenden Fläche, ein kühleres Mikroklima im Sommer und ein wärmeres im Winter, eigenes Holz als
Brennstoff oder Baumaterial, ein Habitat für Vögel und viele andere Tiere, sowie diverse Früchte der Bäume und Sträucher.

Wie sich erahnen lässt, liegt der Fokus bei diesem Konzept auf der Selbstversorgung durch die systematische Kultivierung geeigneter Nutzpflanzen. Die Kunst einen erfolgreichen Selbstversorgergarten zu führen, liegt darin, einen möglichst hohen Ertrag auf relativ kleiner Fläche zu erwirtschaften. Dazu können neben den üblichen Gemüsekulturen und Küchenkräutern auch besondere und alte Sorten, spezielle Gewürz- und Heilpflanzen oder auch eine eigene kleine Pilzzucht in Betracht gezogen werden. Hier macht es Sinn die Methoden der Mischkultur und Fruchtfolgesysteme anzuwenden. Um wirklich gesunde Erzeugnisse von hoher Qualität produzieren zu können und einen dauerhaft fruchtbaren Boden zu erhalten, sollte auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichtet und stattdessen auf die Kultivierung eines funktionierenden Ökosystems gesetzt werden. Dazu sind grundlegende Kenntnisse über biologische Schädlingsregulation, eigene Düngemittelherstellung und Kompostierungsmethoden von großem Nutzen.

Um tatsächlich einen gewissen Selbstversorgungs-grad zu erreichen, ist es außerdem ratsam, sich mit möglichen Weiterverarbeitungsmethoden wie Einmachen, Fermentation und Trocknungsverfahren auseinanderzusetzen.

Übrigens lässt sich dieses Konzept sehr gut mit anderen Konzepten kombinieren. So lässt sich diese intensive Bewirtschaftungsform einfach an den persönlichen Kapazitäten ausrichten und in weniger aufwendige Systeme eingliedern.

In diesem Konzept geht es vor allem darum, einen Raum zum Erleben und Beobachten, sowie zum Experimentieren in der Natur zu schaffen. Auch ein Lehr- und Lerngarten lässt sich mit anderen Konzepten verknüpfen. Während hier Raum für Austausch und Gemeinschaft im Mittelpunkt steht, können darum herum unterschiedliche Gemüse- und Kräuterbeete angelegt und in gesonderten Bereichen Pilze gezüchtet werden. Wichtig ist jedoch genügend Fläche zur Etablierung von Habitaten für Tiere und seltene Arten verfügbar zu halten – nur so können die Funktionsweisen eines gesunden Ökosystems beobachtet und bestaunt werden. Dazu können unter anderem Methoden zur Anlage von Waldgärten und Gartenbiotopen Anwendung finden, während der soziale Raum im Mittelpunkt eines solchen Gartens Platz zum erholsamen Verweilen und spannende Aktivitäten bietet. Beispielsweise kann dort ein Lehmofen gebaut oder eine Feuerstelle angelegt werden, um die eigenen Erzeugnisse direkt vor Ort zubereiten zu können.

Den eigenen Garten in ein ökologisches Biotop umzuwandeln bietet sich an, wenn dieser allein den Tieren, Pflanzen und seltenen Arten zur Verfügung gestellt oder möglichst wenig Zeit und Energie für die Bewirtschaftung und Pflege des Gartens aufgewendet werden soll. Das hat jedoch nichts damit zu tun den Garten einfach verwuchern zu lassen! Um ein gut funktionierendes Ökosystem mit hoher Biodiversität anzulegen, welches sich langfristig selbsterhalten kann, müssen einige Faktoren beachtet werden. Dazu ist der Gestaltungsspielraum groß – zum Beispiel kann ein Teich angelegt, Totholzhecken errichtet, ein kleiner Waldstreifen oder eine Magerwiese etabliert werden.

Auch in anderen Garten-Konzepten ist es in jedem Fall sinnvoll passende Biotop-Elemente einzubringen, etwa um das Mikroklima zu beeinflussen sowie die Biodiversität und die allgemeine Vitalität im Garten zu erhöhen.