Anbaumethoden
Beet-Vorbereitung
Da das gewohnheitsmäßige Pflügen oft ein unverhältnismäßig starker Eingriff ist, der das gesamte Bodenmikrobiom der oberen Erdschicht wortwörtlich „auf den Kopf stellt“ und somit wertvolle Organismen wie Regenwurmpopulationen und Mykorrhiza-Pilze dauerhaft schädigen kann, sollten möglichst bodenschonende Alternativen genutzt werden.
So bietet sich an, schon im Herbst vor der Bepflanzung eines neuen Beetes eine dicke Mulchschicht aus Stroh oder Heu auf der auserwählten Fläche auszubringen. Der Bereich zwischen Erde und Mulch wird zu einer hochfrequentierten Austauschzone zwischen diversen Mikroorganismen. Die darunterliegende Vegetation wird zersetzt und setzt Wärme frei. Im nächsten Frühjahr ist unter dem Mulch eine vitale und humusreiche
Erdschicht entstanden. Die gewünschten Kulturen können dann einfach in die Mulchschicht hineingesetzt werden – sollten diese aber nicht direkt berühren! Ähnlich gut funktioniert die Beet-Vorbereitung auch mit unbeschichteten Pappkartons. Allerdings ist die Nährstoffwirkung im Boden geringer und Schnecken fühlen sich darunter besonders wohl. Aber auch zur präventiven Schneckenabwehr gibt es effektive ökologische Maßnahmen.
Direktsaat
Nach der Beet-Vorbereitung, nach der Ernte oder kurz vor der Ernte einer Haupt- oder Zwischenkultur, kann Saatgut ohne tiefergehende Bodenbearbeitung direkt in den Boden gesät werden. Direktsaat ist somit eine bodenschonende Methode der Aussaat, die unter Berücksichtigung weniger Faktoren zu guten Erfolgen führen kann.
Beispielsweise sind direkt im Boden gesäte Pflanzen den erst vorgezogenen und danach Eingepflanzten gegenüber meist deutlich vitaler und resistenter. Da sie sich schon als Keimling an die Verhältnisse im Boden und der Umgebung anpassen, entsprechende mikrobielle Symbiosen eingehen und der Stress des Umpflanzens ausbleibt, sind sie weniger anfällig für Schädlingsbefall und Trockenstress.
Mischkulturen
Der Anbau unterschiedlicher Kulturen in einem Beet kann viele Vorteile mit sich bringen. Durch die Kombination unterschiedlicher Pflanzenarten in einem Beet wird die Biodiversität erhöht, Licht- und Schattenflächen können optimal genutzt werden, wachstums- und gesundheitsfördernde Effekte zwischen Pflanzenarten können den Gesamtertrag pro Fläche deutlich erhöhen. Jedoch verträgt sich nicht jede Art mit einer anderen gut. Wenn sie ohne Rücksicht auf ihre spezifischen Eigenschaften und Bedürfnisse kombiniert werden oder die Fruchtfolge unpassend ist, können die Effekte auch ins Negative umschlagen. Darum ist es wichtig sich einerseits zuvor Informationen über Kulturmischungen einzuholen und andererseits selbst zu experimentieren, um aus Erfahrungen zu lernen.
Etagenanbau
Bei dieser Form des Anbaus werden Kulturen mit unterschiedlichem Höhenwachstum kombiniert. Diese Methode ist in vielen indigenen Regenwaldkulturen verbreitet und wurde auf moderne Permakultur-Konzepte unseres Breitengrads übertragen. Hochwachsende Pflanzen wie beispielsweise Sonnenblumen, Mais oder Bäume dienen den darunter wachsenden Pflanzen als Schutz vor Sonnenstrahlung, Wind, Regen oder Hagel, sie können als Rankhilfe genutzt werden und sorgen für eine tiefe Durchwurzelung des Bodens. Die Kulturen unter ihnen bedecken den Boden, schützen ihn vor Erosionen und produzieren weitere Erzeugnisse. Wenn hochwachsende Kulturen saisonal angebaut werden, können sie darunterliegende Jungpflanzen so lange schützen, bis diese mehr Raum benötigen, um dann zur richtigen Zeit geerntet zu werden.
Beete
Je nach Umgebungsbedingungen und Zielvorstellungen bietet sich die Möglichkeit bestimmte Beet-Konzepte in unterschiedlichen Formen anzulegen. Hier sind ein paar Beispiele:
Terrassenbeete
Ein solches Beet eignet sich besonders in Hanglagen. Wo auch sonst könnte es angelegt werden? Die abschüssige Fläche wird dazu stufenweise eingeebnet, sodass mehrere übereinanderliegende Beete entstehen. An Nordhängen kann Sonnenlicht so effizienter genutzt werden und mehr Regenwasser wird im Boden gespeichert, da ein hangabwärts gerichtetes Abspülen verhindert wird.
Hügelbeete
Für ein solches Beet gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Im Prinzip geht es jedoch darum, Biomasse, wie Holzschnitt, Grassoden und Laub, mit Kompost und Erde zu einem mehrere Meter langen Hügel aufzuschütten. Die beste Zeit für die Anlage ist der Herbst, sodass der Verrottungsprozess der Biomasse im Inneren des Hügels über den Winter anlaufen kann. Im Frühjahr hat sich dann ein hochfrequentiertes Mikroorganismenmilieu etabliert, welches das Beet von innen warmhält.
Frostempfindliche Kulturen profitieren davon und können frühzeitig eingepflanzt werden. In den folgenden zwei Jahren werden immer mehr Nähstoffe freigesetzt – erstklassige Bedingungen für Gemüse mit besonders hohem Nährstoffbedarf! Wenn das Beet bis zum sechsten Jahr immer weiter zusammengesackt ist und die meisten Nährstoffe verwertet wurden, bleibt eine sehr humusreiche Fläche, die dauerhaft als Beet weitergenutzt werden kann.
Kraterbeete
Ein spezielles Konzept, in dem sich besonders sensible, feuchtigkeit- und wärmeliebende Pflanzen wohlfühlen können. In der Mitte wird eine Mulde gegraben, in der Steine ausgelegt werden. Am Rand wird mit der Erde ein Wall aufgeschüttet. Dieser schützt die Kulturen vor Wind, im Zentrum wird Feuchtigkeit gesammelt und die Steine geben die über Tag gespeicherte Wärme über Nacht wieder an die Umgebung ab.
Hochbeete
Dieses Beet funktioniert im Prinzip so wie ein Hügelbeet, erfordert aber etwas mehr Aufwand zur Anlage und Pflege. Dazu wird an gewünschter Stelle ein Rechteck mit etwa 120 bis 150 cm langen Seiten in etwa 25 cm Bodentiefe ausgehoben. Die Seitenwände aus Holz oder Stein werden noch etwas tiefer im Boden eingegraben, sodass sie stabil stehen und etwa eine Tischhöhe erreichen. Zudem sollten sie mit Teichfolie oder Ähnlichem ausgekleidet werden, um ein Ausschlämmen der Erde und schnelles Austrocknen zu vermeiden.
Wird am Boden Maschendraht oder Ähnliches ausgelegt, wird das Beet besonders vor Wühlmäusen und Ratten geschützt. Dann wird es schichtweise mit Biomasse gefüllt – Holzschnitt, Laub oder Stallmist, Kompost und gute
Gartenerde. In den ersten Jahren ist das Beet besonders für Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf geeignet, nach etwa fünf Jahren sinkt der Nährstoffgehalt langsam wieder ab. Auch die Erde sinkt durch die mikrobielle Zersetzung der Biomasse im Inneren nach und nach ab und sollte daher jährlich mit etwas Gartenerde oder Kompost aufgeschüttet werden.
Sonnenfallen
Mit einer Sonnenfalle werden ähnlich Effekte erzielt, wie mit einem Kraterbeet, sie ist aber auch für großräumigere Flächen geeignet. Steine oder Dachziegeln bilden die Wände auf einer rundlichen Fläche. Am südlich gelegenen Punkt der Fläche wird ein Durchgang frei gelassen, während das Material erst flach, zur nördlichen Seite jedoch immer höher zu einer stabilen Mauer aufgebaut wird. Im Inneren der Fläche ist Raum für wärmeliebende Pflanzen. Besonders an der nach Süden gerichteten Wand im Norden des Kreises wird viel Sonnenenergie als Wärme gespeichert und bei kühleren Temperaturen an die Umgebung abgegeben.
Wenn im Winter der erste Schnee fällt, lässt sich beobachten, dass im Inneren der Sonnenfalle erstmal kein Schnee liegen bleibt, weil er durch die nach innen abgegebene Wärme und eine höhere Temperatur im Boden schmilzt. Hier haben auch frostempfindliche Dauerkulturen eine Chance kalte Winter zu überstehen, besonders wenn zusätzlich auch mit Mulch gearbeitet wird. Wärmeliebende, einjährige Pflanzen können im Frühjahr schon etwas früher ausgepflanzt oder gesät werden. Zusätzlich können Elemente wie Spiegel, Spiegelmosaike oder eine Teichfläche, die ebenfalls das Sonnenlicht spiegelt, mit eingebracht werden.
Pflanzen- und Bodengesundheit
Prävention und Regulation von Schädlingen und Krankheiten
Neben der Biodiversität gibt es vielfältige ökologische Mittel zur Prävention und Regulation von Schädlingen und Krankheiten, von denen sich viele einfach selbst herstellen lassen.
Von ernstzunehmendem Befall sind meist nur solche Pflanzen betroffen, die im Voraus schon geschwächt waren oder eigentlich nicht in ihre Umgebung passen. Deshalb sind die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung von Schädlingen und Krankheiten eine gut durchdachte Gartenplanung, die ausschließliche Verwendung von hochqualitativem Saatgut und Pflanzenmaterial, sowie eine ökologisch sinnvolle gärtnerische Praxis, dessen unterschiedlichen Aspekte hier teilweise aufgezeigt wurden. Aber auch über den Einsatz von biologischen Düngemitteln und Bodenverbesserern lässt sich einiges für die Pflanzengesundheit im Garten tun.
Düngemittel und Bodenverbesserer
Kompost
Eine altbewährte Methode, um Nährstoffe in die Erde zurückzuführen, ist die Kompostierung von Küchen- und Gartenabfällen. Dazu haben sich in unterschiedlichen Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten ebenso unterschiedliche Praktiken entwickelt. Je nach Ausgangsmaterialien und Umweltbedingungen sind manche davon besser geeignet als andere, zumal viele HeimgärtnerInnen, die sich tiefergehend mit diesem Thema beschäftigt haben und eigenen Kompost herstellen, mit der Zeit auch ein ganz eigenes Rezept und Verfahren entwickelt haben.
Ein Game-Changer war jedoch die Entdeckung der so genannten Terra-Preta Erde im Amazonasgebiet zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie ist teilweise bis zu 7000 Jahre alt und gilt als die fruchtbarste Erde, die je auf unserem Planeten gefunden wurde – und das in einem Gebiet mit eigentlich sehr nährstoffschwachen Böden. Mit ihrer wissenschaftlichen Erforschung seit der Mitte des letzten Jahrhunderts gewinnt sie zunehmend an Popularität und es wurden viele Verfahren entwickelt, um eine ähnlich fruchtbare Erde auch in unseren Umweltbedingungen zu erzeugen. So spielt dabei zum Beispiel die Kompostierung organischer Abfälle in Kombination mit so genannter Pflanzen-Kohle eine entscheidende Rolle. Diese lässt sich übrigens auch im eigenen Garten recht einfach selbst herstellen.
Mulch
Die Methode des Mulchens wurde erstmals 1955 von Ruth Stout in ihrem Buch Green Thumb Whithout an Aching Back erläutert. Heute ist diese Praxis unter Bio-GärtnerInnen weit verbreitet, da sie viele Vorteile mit sich bringen kann. Zum einen bedeckt der Mulch die Erde, wodurch sie vor Austrocknung geschützt ist und Erosion wertvollen Oberbodens durch Wasser oder Wind verhindert wird. Andererseits wird der Wuchs von Unkräutern gehemmt, Bodenleben und Humusaufbau werden gefördert und Nährstoffe aus dem Mulch werden in der Erde für Pflanzen verfügbar gemacht.
Es gibt aber auch einige Punkte, die beachtet werden sollten, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Mitunter finden Schnecken im Mulch einen Lebensraum. Um einen starken Befall zu vermeiden, sollten im Voraus entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
Übrigens gibt es ganz unterschiedliche Materialien, die als Mulch verwendet werden können. Oft wird Stroh, Heu oder Rindenmulch verwendet. Es können aber auch andere pflanzliche Materialien genutzt werden, wobei darauf zu achten ist, dass sie für den jeweiligen Zweck eine passende Konsistenz haben. Manche Ausgangsmaterialien sind für bestimmte Pflanzen besser geeignet als für andere.
Fermente und Komposttees
Beides sind sehr effektive Mittel, um das Bodenleben zu fördern. Sie können relativ einfach selbst hergestellt werden.
Um ein Ferment herzustellen, werden pflanzliches Material wie zum Beispiel Brennnesseln, Beinwell, Schachtelhalm oder Bananenschalen zerkleinert, mit Melasse und Wasser in einen Behälter gegeben und bei Raumtemperatur zugedeckt für mindestens 10 Tage an einem dunklen Ort gelagert.
Die nützlichen und gesundheitsfördernden Milchsäurebakterien vermehren sich und zersetzen das organische Material schnell. Wichtig ist dabei zu beachten, dass entstehende Gase entweichen können. Das Behältnis könnte sonst explodieren! Je nachdem welche Pflanzen in welchem Wachstumsstadium und zu welchem Zweck gedüngt werden sollen, sind bestimmte Ausgangsmaterialen besser oder weniger gut geeignet.
Ein gutes Ferment wirkt wie ein Probiotikum und somit positiv auf Bodenleben und -gesundheit. Je nach verwendetem Pflanzenmaterial werden durch Bakterien unterschiedliche Nährstoffe, und weitere nützliche Stoffe, wie Huminsäuren und Proteinverbindungen, gelöst und für die Pflanzen verfügbar gemacht. Das stark verdünnte Ferment fördert ein positives Milieu im Boden und kann somit helfen Krankheiten und Schadorganismen zu regulieren.
Zur Herstellung eines Komposttees wird etwas Equipment benötig. Eine gute Aquariumpumpe mit Sprudelsteinen findet sich für weniger als 40 € in jedem Aquarium-Shop. In einen Eimer wird etwas Kompost gegeben, der mit Wasser aufgegossen wird. Zusätzlich können Gesteinsmehl, Melasse, Pflanzenkohle, Regenwurmhumus, gute Gartenerde und zerkleinertes Pflanzenmaterial hinzugegeben werden. Auch hier sind bestimmte Zutaten für bestimmte Zwecke besser geeignet als andere.
Die Sprudelsteine werden ebenfalls in den Eimer gelegt und die Pumpe angeschaltet, sodass der Tee für etwa 24 bis 48 Stunden kontinuierlich belüftet wird. Der fertige Komposttee sollte verdünnt und möglichst zeitnah auf bestimmte Pflanzen oder im gesamten Garten verteilt werden. Er kann auf die Erde gegossen oder als Blattdüngung und zur Krankheitsregulierung versprüht werden. Auch ein solcher aktiv belüfteter Komposttee (AACT) ist neben seiner Nährstoffwirkung stark probiotisch. Auf einem Teelöffel des Tees finden etwa 4 Milliarden nützliche Bakterien Platz – viermal so viele wie auf einem Teelöffel guten Gartenkompost.